Das Wesentliche wesenhaft werden lassen

Zwei Künstlerfreunde – Heinz Waltjen (1894-1986) und Josef Fruth (1910-1994)

Kunstausstellung 22. April – 27. Oktober 2019

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Hans Hausladen (1890 – 1976) – „Talent haben Sie!“

Künstlerisches Werk des Mitterfelser Fotografen und Kaufmanns

Dauer der Ausstellung:  23. Juli – 29. Oktober 2017

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Das Wesentliche wesenhaft werden lassen

Zwei Künstlerfreunde – Heinz Waltjen (1894-1986) und Josef Fruth (1910-1994)

Kunstausstellung 22. April – 27. Oktober 2019

„Sepp [gemeint ist Josef Fruth], was Du in Form beschlossen und ihm lebende Gestalt gegeben hast, hat mir vom ersten Blick auf das Blatt an tief ins Innere gelangt. Und was mich freut, freut, freut, ist Deine große Einfachheit von Mittel und Ausdruck!

Welche Beherrschung musstest Du Dir auferlegen, um das Wesentliche so wesenhaft werden zu lassen.

Und sonst gar nichts! Licht, Freiheit, als unerhörte, nie so zusammengehörige, erlebte Einheit! Wie hast Du sie gestaltet! Und ihm dazu Tod-Leib-Mauer-Gruft. Wie Du den Mut hattest auch visuell-gestalterisch, diese Irdischkeit in eine, mit höchster Intensität zusammengestrichene Bildhälfte zu bannen - dem Licht gegenüber. Und sonst gar nichts! Das ist gewaltig.“ Diese Worte schrieb Heinz Waltjen am Ostermontag 1976 in einem Brief an Josef Fruth über dessen österlicher „Auferstehungsgestalt“.

Zum ersten Mal werden Werke der beiden Künstlerfreunde Heinz Waltjen und Josef Ruth in einer gemeinsamen Ausstellung hier im Burgmuseum Mitterfels gezeigt.

Im Sommer 1964 sind sich die beiden so unterschiedlichen und im Grunde doch so seelenverwandten Künstler Heinz Waltjen (1894-1986) und Josef Fruth (1910-1994) zum ersten Mal begegnet. Der eine, seit 1935 im Bayerischen Wald ansässig, lebte in seinem 1962 erbauten Künstlerhaus im Bergdorf Rabenstein, heute Stadtgebiet Zwiesel, der andere in der Alten Wache des Schlosses Fürsteneck, das heute noch das Atelier Josef Fruths beherbergt. Ihre Freundschaft und gegenseitige Wertschätzung wurde immer intensiver und hielt bis zum Lebensende.

  • Heinz Waltjen: Selbstporträt um 1919
  • Bleistift auf Papier, 14,3 x 8,3 cm
  • Leihgabe Waldmuseum Zwiesel, Inv.-Nr. 10484

Heinz Waltjens Leben und Werk wurde von den gravierenden politischen und sozialen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts geprägt. Vor dem Ersten Weltkrieg lernte er an der Königlichen Kunstgewerbeschule München. Nach seiner Teilnahme am Ersten Weltkrieg, in dem er schwer verwundet wurde, studierte Waltjen ab 1919 an der Münchener Akademie der bildenden Künste bei Professor Carl Johann Becker-Gundahl Zeichnen und Malen. Im Jahr 1930 folgte ein weiteres einjähriges Studium bei Julius Heinrich Bissier (1893 – 1965) in Freiburg, der dort von 1929 bis 1934 eine Malklasse leitete. Sie sehen in der Vitrine auf der rechten Seite einen der Zeichnungen aus dieser Zeit.

  • Heinz Waltjen: Landschaft, Cham, 1930
  • Tusche auf Papier, 23,5 x 30 cm
  • bez.: Cham: Bay. Wald. Der Regen umgürtet – Cham! H. Waltjen
  • Leihgabe Waldmuseum Zwiesel, Inv.-Nr. 11005

Nachdem der Bayerische Wald ab 1935 seine Heimat geworden war, engagierte sich Heinz Waltjen in der Heimatpflege, beim Orchesterverein, beim Heimatverein und vor allem im Waldmuseum Zwiesel. Heinz Waltjen war neben seiner beruflichen Tätigkeit als Maler und Grafiker ein zutiefst musikalischer Mensch.

Schwerpunkte des bildnerischen Schaffens von Heinz Waltjen sind Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Grafiken und Holzschnitte für Buchillustrationen. Aber auch Gebildbrote, Kinderbilderbücher und Kachelmalereien finden sich in seinem Werk. Stilistisch deckt Waltjen eine breite Palette ab, mit in Öl ausgeführten Werken, frühen Ausflügen in die „neue Sachlichkeit“ bis zu seinen herrlichen Zeichnungen.

  • Josef Fruth: Selbstporträt
  • Kohle, Atelierkreis Fruth

In einem selbstverfassten Lebenslauf schrieb Josef Fruth: „Als ich in die Grundschule kam, hatte ich das Glück einen musischen Lehrer zu finden. Er förderte mein Verlangen zum Zeichnen [...]. In Deutsch konnte ich vorbildliche Aufsätze schreiben. Später wurde ich sehr gefördert von Prof. Bruno Mauder, Glasfachschule Zwiesel, [...].Dem Fünfzehnjährigen tat sich eine neue Formenwelt auf und ich verbrachte damit vier Semester, bis eine Bleivergiftung mit einem langen Siechtum meiner Ausbildung Grenzen setzte. In der Malerei und Grafik konnte ich meine Ausbildung überbrücken durch ein vierjähriges Privatstudium in Münchener Künstlerkreisen [...]. Auf dieser Ebene waren meine größten Förderer der akademische Maler Karl Alexander Flügel und Prof. Edmund Steppes. Auch der Kollege Wilhelm Niedermayer von der Münchener Schule hatte dazu beigetragen.“

  • Josef Fruth: Maskenbann
  • Hinterglasmalerei, 38 x 28 cm
  • Leihgabe Atelierkreis Fruth

Josef Fruth arbeitete vor allem mit Kohle, Kreide und Tinte und hatte sich auf Holz- sowie Linolschnitt, vor allem aber auf Hinterglasmalerei spezialisiert. Sein künstlerischer Mittelpunkt in Bild und Wort war der Bayerische Wald mit seinen Bewohnern und ihrem Brauch. Fruth beschrieb sein Werk mit den Worten: „Jede Pflanze braucht ihr Wurzelland; das meine ist der bayerisch-böhmische Grenzwald mit seinen Quellen aus dem Urgrund, voll mythischer Ahnungen“

In Fruths Bildern sind Mensch und Natur immer eins, die von Arbeit und Mühsal geprägten Figuren fügen sich mit ihrer gebeugten Haltung in die Natur ein.

Passagen zur Künstlerfreundschaft Waltjen - Fruth aus der 2018 erschienen Biografie von Stefan Rammer: Josef Fruth - Der Wächter über dem Urgrund:

Heinz Waltjen – der Griff in den Herzens-Saatsack

Ein guter Künstlerfreund wird auch Heinz Waltjen (1894-1986). Erst nach 1950 kann er sich wieder auf sein künstlerisches Schaffen konzentrieren. Waltjen ist vor allem ein gefragter Grafiker, der zahlreiche Bücher mit seinen Holzschnitten illustriert. Hierzu gehören unter anderem der Roman „Mühlhiasl. Der Waldprophet“ von 1953 seines Freundes Paul Friedl und die Werke von Reinhard Haller „Sagen aus dem Waldland“ (1966). „Rockaroas-Gschichten“ (1978) und „Von Druden und Hexen“ (1976). Als Ortsheimatpfleger trägt er viel Material über Rabenstein zusammen und beschäftigt sich besonders mit dem Waldpropheten Stormberger. All das verbindet ihn mit Josef Fruth, mit dem er bald nach seinem Umzug nach Rabenstein einen intensiven Briefwechsel beginnt. lm Sommer 1964 begegnen sich beide ein erstes Mal. Er habe seil dem Umzug kaum gemalt, sein Haus sei bis auf Fruths „Dorfkirchweih“ noch bilderlos. Aber jetzt habe ihm eine Zeichnung Fruths, die in der Passauer Neuen Presse abgedruckt wird, neuen Elan gegeben. Als ein Rottaler Landmaschinen-Händler Waltjen auffordert, eine Reihe Hinterglasbilder herzustellen, die man als Preise für Musikantengruppen oder einzelne Musiker verwenden könnte, wendet dieser sich an den „lieben Fruth". Oskar Langer habe ihn darauf gebracht, dass der Fruth hier ein Meister sei. An den Händler schreibt Waltjen, dass Fruth „ganz ausgezeichnete Hinterglasbilder“ vorlege. Es zeigt, wie uneigennützig mancher Kunstschaffende sein konnte.

Bald duzten sich beide Künstler. Fruth, der selbst nichts hat, kauft Waltjen Karten mit Brauchtumsmotiven ab. Er, der viel Unterstützung erfuhr und erfährt, will selbst auch helfen, wenn er es gerade kann.

Waltjen und Fruth, beide erkennen sich als Mystiker, die alten Sagen und der Vorstellungswelt der Umgebung nachspüren und ihnen in ihren Werken Ausdruck geben.

Aus einem zu Weihnachten 1974 geschriebenen Brief liest man unschwer heraus, wie bedeutsam Waltjen die Freundschaft längst ist. „Lieber Sepp, ich streck Dir die Hand hin. Da! Aus Dankbarkeit - einmal, dass Du überhaupt da bist. Und dann, dass Du säst, säst, immer wieder in den Herzens-Saatsack greifst und Du mit voller Hand streust. Auch wenn der Acker arg steinig ist.“

Der Schriftsteller Paul Friedl fand 1982 treffende Worte für Heinz Waltjen:

„Heinz Waltjen ist ein lieber, wertvoller Zeitgenosse, der, stillvergnügt zusehend, Eindrücke sammelt, weltoffen und lächelnd allen recht gibt und keine eigenen Werke anpreist. Was er aber schafft, ist im gesamten ein Werk besonderer Art, das lange nicht vergehen wird.“

Herzlicher Dank an die Leihgeber: Anna und Gunther Fruth, Atelierkreis Fruth, Waldmuseum Zwiesel, Familie Stettmer.

Wir sind das Laub

Über dem Staub

raschelt das Laub.

Zwischen den Schritten

verlorener Wanderer.

Wir sind das Laub

morgen im Staub

unter den Tritten;

aber der Wanderer

ist ein ganz anderer...

Josef Fruth

 

 


 

 

Herzliche Einladung zur Ausstellungseröffnung des Burgmuseumsvereins am Ostermontag um 14 Uhr im Burgmuseum Mitterfels, in Kooperation mit dem Waldmuseum Zwiesel und dem Atelierkreis Fruth.

Das Wesentliche wesenhaft werden lassen

(Auszug aus einem Brief von Heinz Waltjen an Josef Fruth vom Ostermontag 1976)

Zwei Künstlerfreunde – Heinz Waltjen (1894-1986) und Josef Fruth (1910-1994)

22. April – 27. Oktober 2019

Mit besonderer Freude erfüllt es uns, dass sich für die Eröffnung am Ostermontag um 14 Uhr die 89-jährige Gattin des Künstlers Frau Anna Fruth angekündigt hat und der 1. Vorsitzende des Atelierkreises Fruth, Herr Franz Brunner. Es ist für uns eine ganz besondere Ehre! Und es ist für unsere Gäste die Gelegenheit, einmal persönlichen Kontakt mit Frau Fruth aufzunehmen.

Gezeigt werden 90 Exponate der beiden Künstlerfreunde Waltjen und Fruth, die eine ganz besondere Wertschätzung für die Arbeiten des jeweils anderen hegten.

Eine gesegnete Osterzeit wünscht Euch

Elisabeth Vogl

1. Vorsitzende Burgmuseumsverein Mitterfels e.V.

 

Hans Hausladen (1890 – 1976) – „Talent haben Sie!“ - Künstlerisches Werk des Mitterfelser Fotografen und Kaufmanns

Dauer der Ausstellung:  23. Juli – 29. Oktober 2017

 

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